Umweltschutz mit Plogging – ich wumse jetzt!

gesammelter Müll
gesammelter Müll

Seit etwa 2016 verbreitet sich Plogging1) von Schweden aus in die Welt. Viele Menschen organisieren sich, um sich gemeinsam für eine saubere Umwelt einzusetzen.

Die Idee finde ich klasse, Aktivitäten in der Natur mit dem Beseitigen von Müll zu verbinden. Joggen, und somit das Plogging, ist aber nichts für mich. Meine Gelenke mögen lieber langsamere Bewegungen.

Deshalb wandere ich gerne. Dabei ärgere ich mich immer wieder über die achtlos weggeworfenen Dinge, die nicht nur die Aussicht verschandeln sondern Tieren und Planzen auch schaden können. Deshalb habe ich beschlossen, etwas dagegen zu tun und mich nicht einfach nur zu ärgern.

Seit März ’20 verbinde ich meine Morgenwanderungen mit aktivem Umweltschutz, ich hebe den Müll am Weg auf und entsorge ihn.

Ich nenne das „wumsen“, von der Abkürzung „WUMS – Wandern und Müll sammeln“. Die Bezeichnung ist ja nicht so wichtig.

Also habe ich mir eine Müllzange besorgt (ich sehe das nicht so sportlich, wie die Plogger, die sich nach dem Müll bücken!) und sammle den Müll mit der Zange in eine gebrauchte Papier-Tüte.

Greifzange

Anders als die Plogger erfasse und fotografiere ich den Müll auch nicht sondern entsorge ihn schnellstmöglich in Müllbehältern. Batterien sind ausnahmen. Die entsorge ich alle paar Monate auf dem Recycling-Hof. Man macht sich natürlich auch so seine Gedanken zu dem Unrat.

Wie ist der Müll nur dahin gekommen?

Grundsätzlich ist der Mensch an der Verunreinigung beteiligt, mit und ohne Absicht, fahrlässig, nachlässig oder gedankenlos.

Kippen und Plastik
  • Zigarettenstummel2), überall im Freien, insbesondere dort, wo Menschen sich treffen, Pause machen oder sich ausruhen. Bis zu 15 Jahre dauert die Zersetzung der Kippen. Dabei verseuchen sie den Boden mit allerlei Schadstoffen, die zwangsläufig mit in die Nahrungskette gelangen. Am liebsten sind mir die Zeitgenossen, die kurz mit dem Auto stoppen, um ihren Achenbecher auf die Straße zu entleeren.
  • Plastikmüll in verschiedenen Formen. Von leeren Plastiktüten und Folien, die vom Wind gut verteilt werden, über Joghurtbecher bis hin zu Grablaternen. Schlimm genug, diese vom Winde verwehten Teile überall zu finden. Zu allem Überfluss schreddern die zur Rasenpflege eingesetzen Mitarbeiter*innen, ich nenne sie Mäher-Hooligans, mit ihren fahrbaren Schnittmaschinen alles, was auf dem Rasen platt zu machen ist. Also gibt es viele Teile einzusammeln. Die Batterien der (auf dem Friedhof übrigens verbotenen) elektrischen Grablaternen sind zerschmettert und verseuchen den Boden direkt; Teile kaum zu finden.
  • Nichtsdestotrotz, gefundene Batterien und Teile davon entsorge ich gesondert.
  • Mit Metallen mache ich das zurzeit noch nicht. Aludeckel von o.g. Joghurtbechern, die Deckel der Grablaternen, Blechdosen von Hundefutter und Bohnen, Alufolie. Es gibt offensichtlich Leute, die sich in Alufolie verpacktes Essen mit auf den Friedhof nehmen, vielleicht die Gärtner oder die Mäher-Hooligans? Einige entsorgen die Alufolie in den aufgestellten Müll-Behältern. Super Idee! Denn diese Müllbehälter sind aus einem 5x5cm Metallgitter gefertigt, ca. 60cm im Quadrat. Die lauernden Krähen warten nur darauf. Sobald die Luft rein ist wird unter den Augen einer Aufpasserkrähe alles, was nach Essen riecht, aus dem Behälter geworfen und auseinander genommen. Die Alufolie wird fachkrähisch zerfetzt – es könnte ja noch etwas leckeres zu finden sein.

Zwischenspiel

Hamburger Mülleimer

Vor einigen Jahren habe ich auf einer meiner täglichen Morgenwanderungen einige Krähen beobachtet, die sich am Aussichtspunkt des Airport Hamburg auf die roten Müllbehälter spezialisiert hatten: eine „Aufpasserkrähe“ setzt sich oben auf die Laterne, an deren Mast sich der Behälter befindet. Eine „Arbeiterkrähe“ steigt tatsächlich in die Öffnung und wirft alles heraus, was sie fassen kann: z.B. McDonals-Verpackungen aller Art vom nahen Drive-In. Etwa 5 Verteilerkrähen hüpfen unter dem Behälter herum, greifen sich herausgeworfene Verpackungen und fliegen damit in sicheres Gelände – z. B. die Wiese hinter dem Flughafenzaun. Dort teilt man die Beute. Da sage noch einer, Tiere können nicht planvoll agieren.

Weiterer Müll

Gemischte Ware
  • Papiermüll in verschiedener Forn: Zeitungen, Verpackungen, Zellstoff-Tatüs. Nicht wirklich ein Problem, sieht aber immer hässlich aus.
  • Putzlappen, Stoffe, Kleidung, etc.

Fazit

Immerhin ist meine Morgenrunde in ihren Varianten nun im Wesentlichen müllfrei. Meine Zange nehme ich nur noch an Werktagen mit ;-). Beutel habe ich zwar immer dabei, muss sie aber nur noch selten nutzen. Es scheint mir, dort wo kein oder nur wenig Müll liegt, wird auch weniger in die Natur entsorgt. Das lässt hoffen.

Wenn ich jetzt nur noch das Problem mit der Erderwärmung in den Griff bekommen könnte.


  1. Plogging, Kofferwort aus „plocka“ (schwedisch für aufheben, pflücken) und „Jogging“.
  2. Wie schädlich sind Zigarettenstummel?

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